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Ansgar Heveling und die digitale Welt: Lasst uns einen Kulturkampf verhindern!

Irgendwie scheint es menschlich zu sein. Immer wieder kommt einer, der alle integrativen Bemühungen zerstört und einfach trennen will. In gut und böse. In schwarz und weiß. In analog und digital.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling scheint zu dieser Spezies zu gehören.  Anders ist sein Beitrag im Handelsblatt von dieser Woche unter dem Titel „Netzgemeinde, Ihr werdet den Kampf verlieren“ nicht zu erklären. Selbst in der „Netzgemeinde“ setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass wir in einer Welt leben, dass es eben nicht analoge und digitale Menschen gibt, sondern nur Menschen.

Überschrift des Gastkommentars von Ansgar Heveling im Handelsblatt vom 30.01.2012

Auf Konferenzen wie der re:publica wird über solche Themen philosophiert. Und da sitzen keine digitalen Hassprediger, sondern eher Menschen, die Überzeugungen haben und für die sich das Leben zunehmend stärker digital abspielt. Natürlich gibt es Interessenvertretungen wie die Digitale Gesellschaft, die sich speziell für alles rund ums Web einsetzen. Das muss ja auch so sein, auch wenn der Name aus meiner Sicht nicht glücklich – weil trennend – ist.

Ich habe vor eineinhalb Jahren einen Gastbeitrag in der Internetworld zum Thema digitale Parallelgesellschaft geschrieben, der die digital orientierten Menschen dazu aufrufen sollte, sich bewusst zu werden, dass Integration und Verständnis zwischen digitaler und analoger Welt elementar ist und dass wir mehr vom Menschen ausgehend argumentieren sollten als von den Kanälen her.

Diesen Aufruf kann ich nur wiederholen. Denn leider passiert genau das, was nach Hevelings Klassenkampf-Rhetorik fast logisch war: Die „Netzgemeinde nimmt den Kampf gerne auf. Zunächst wurde Hevelings Website gehackt. Und nun kommen die ersten, die öffentlich in den Kampf eintreten wollen.

Überschrift des Gastkommentars von Frank Rieger im Handelsblatt vom 31.01.2012

So zum Beispiel Frank Rieger, der Sprecher des Chaos Computer Club. Der sieht nun den Kulturkampf als gekommen an. Und das ganze spielt sich auch noch digital auf der Seite eines Wirtschaftsmediums ab. Ich möchte mich hier gar nicht mit Urheberrechten, Datenschutz u.ä. beschäftigen, sondern werbe für eine soziologische – eine menschliche Sicht.

Und aus dieser heraus bin ich der Überzeugung, dass es weder eine Netzgemeinde, noch eine digitale Gesellschaft gibt. Es gibt Menschen, deren Leben sich stärker digital abspielt, die kommunikativer sind. Genau so, wie es Menschen gibt, die mehr in die Kneipe gehen, zum Sport und ständig mit dem Sportwagen fahren.

Für so gut wie keinen von uns ist dies aber der Fixpunkt des Lebens. Die meiste Zeit gehen wir arbeiten, sprechen mit Freunden, suchen nach Partnern. Hoffentlich haben wir ab und an auch Sex – also ganz real.

Ganz sicher digitalisiert sich unser Leben ein Stück mehr. Wir vernetzen uns mehr. Aber mit Blick auf ein paar MEGATRENDS sehen wir auch:

  • wir werden immer gebildeter
  • Umweltthemen werden für uns wichtiger
  • Unsere Gesellschaften altern

Die Digitalisierung ist doch keine rein technische Frage. Sie ist ein Teil der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie hat mit Vernetzung, mit Interaktion, mit Beteiligung, mit Selbstverwirklichung zu tun. Für den einen mehr, für den anderen weniger.

So gesehen gebe ich manchen ernstzunehmenden Vertretern im Web recht. Lasst uns den Aufruf von Ansgar Heveling nicht aufnehmen, ganz im Gegenteil. Lasst uns alles dafür tun, dass solche Sichtweisen zukünftig der Vergangenheit angehören. Einfach weil sie nicht ernst zu nehmen sind!

Und an Herrn Heveling: Bitte werden Sie sich Ihrer politischen Verantwortung als Mitglied der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft bewusst. Klassenkampf-Rhetorik ist das letzte, was man von Ihnen lesen sollte! Schauen Sie mal auf die Website der Kommission:

Screenshot von der Homepage der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft

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