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Interview mit Deutschlands Video-Blogger MC Winkel: Über Plastikknochen, Authentizität und Empfehlungen

Deutschlands Videoblogger Mathias Winks alias MC Winkel (www.whudat.de)

In der Social Media Szene spricht man hierzulande fast nur noch von den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter. Die Blogger-Szene, einstmals als Zukunft der Online-PR gefeiert, rückt in den Hintergrund. Da ich Meinungsführer im Web für mindestens so wichtig halte wie bestimmte Social Media Kanäle, habe ich Deutschlands Videoblogger Mathias Winks alias MC Winkel (www.whudat.de) einmal interviewt:

Hallo Mathias, vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit nimmst. Ist die Bloggerszene eigentlich heute noch so wie vor 5 Jahren. Was hat sich geändert?

„Auf gar keinen Fall, da hat sich eine Menge geändert. Vor 5 Jahren steckte die deutsche Blogosphäre ja wirklich noch in den Kinderschuhen, es gab eine „Blog-Szene“ in Berlin, dort saßen 90% der damaligen, so genannten A-Blogger. Es gab wesentlich mehr „Tagebuch-Blogs“, auch als „Befindlichkeitsblogs“ bekannt, vor 5 Jahren konnte man noch mit einem Posting am Tag relativ weit vorne in den deutschen Blogcharts mitspielen. Das waren dann meistens persönliche Texte, der Blogleser hatte einen erheblich größeren Bezug zu dem Blogautoren.

Heute muss man da wesentlich mehr machen, wenn man sein Blog prominent platzieren will. Man muss eine breitere Themenvielfalt haben, man muss fresh sein, aktuell, anders und als Autor immer noch irgendwie greifbar. Eine „Szene“ gibt es nicht mehr, vielmehr viele kleine Szenen. Blogs werden kategorisiert, Modeblogs z.B. funktionieren erstaunlich gut. Man kann sagen: Blogs haben sich professionalisiert, man kann heute tatsächlich mit Blogs Geld verdienen und wenn man sich den Kram lange genug angesehen hat, dann kann man – wie ich – sogar davon leben. :)“

Haben Blogger grundsätzlich Interesse an Tätigkeiten für Unternehmen?

„Da kann ich sicherlich nicht für alle sprechen, ich selbst war aber nie Jemand, der bei Kooperationsanfragen abgeneigt war. Das entsprechende Unternehmen muss halt zum Blog passen, mein Blog whudat.de versteht sich ja als Lifestyle-, Musik-, Design- und Temporary Culture-Blog – da gibt es in der Tat jede Menge Schnittmengen. Insgesamt stellt man sich in Deutschland allerdings noch etwas an. Viele Blogger fühlen sich unwohl, für Firmen zu arbeiten und im eigenen Blog darüber zu schreiben. Man merkt dann, dass da wirklich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wurde, der Text wird dann meist schwülstig, unauthentisch. Das ist schade, aber nicht meine Schuld.“

Wie sollten Unternehmen Blogger ansprechen?

„Das Unternehmen (oder die PR-Agentur des Unternehmens) sollte genau recherchieren, mit wem sie es zu tun hat. Vielleicht das Blog erstmal eine Woche tatsächlich verfolgen und sich ein Bild machen. Die „wir sind großer Fan Deines Blogs“-Nummer stimmt in 95% der Fälle nicht, das ist auch relativ schnell erkennbar. Was gar nicht geht sind Massenmails oder klassische PR-Verteiler-Texte, die werden von mir ungelesen gelöscht.“

Wie groß ist die Gefahr kritischer Artikel?

„Das hängt ausschließlich von der Qualität des entsprechenden Produktes ab. Ich habe bisher nur 1x einen wirklichen Verriss geschrieben. Das war in 2008, man schickte mir so ein lumpiges LG-Handy, obwohl ich seit Wochen im Blog für mein neues iPhone geschwärmt habe. Das war dann so ein klassischer Fall – hätte LG recherchiert und bei mir im Blog gesehen, dass ich zufriedener iPhone Kunde bin, dann hätten sie mir diesen Plastikknochen auch niemals zugeschickt. Und als glaubwürdiger Blogautor schreibe ich natürlich die Wahrheit.“

Nach welchen Kriterien sollten Unternehmen Blogger auswählen?

„Schwer zu sagen, kommt auf das Unternehmen an. Grundsätzlich sind Blogs mit größerer Reichweite natürlich interessanter.“

Wie bindest Du Marken in Deine Beiträge ein?

„Zunächst einmal muss die Marke natürlich passen. Wenn ich mir dann eine Zusammenarbeit vorstellen kann, erarbeitete ich zusammen mit dem Kunden ein Konzept. Meistens schlage ich denen etwas vor, Gewinnspiele oder Verlosungen funktionieren beispielsweise immer sehr gut. Besagte Marke wird dann erwähnt (nicht selten gibt es einen youtube-Film zum Embedden), die Firma bzw. die entsprechende Kampagne wird verlinkt, ich kennzeichne den Beitrag als gesponsert – das war’s.“

Wird Deine Leistung vergütet? Wenn ja wie?

„Natürlich lasse ich mir die entsprechende Leistung vergüten, das ist immerhin PR. Und zwar gute PR, weil man durch Blog gezielt Leute ansprechen kann, Zielgruppen besser definieren kann und der Blogautor seinen Lesern seine Empfehlung (oder halt: Nicht-Empfehlung) ausspricht. Wie? Das differiert. Meistens aber: gut. :)“

Vielen Dank noch einmal MC. Meine klare Empfehlung: Das Blog von MC Winkel auf www.whudat.de

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zu Blogger Relations mit der Online PR Agentur henne.digital

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