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Mal ehrlich: Corporate Blogs funktionieren nicht!

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„Facebook oder Corporate Blog?“ – so lautet immer mal wieder die Headline über einem Fachartikel zu Social Media. Die Frage an sich ist sicher zumeist zuspitzend taktisch gemeint, dennoch zeigt sie ein völliges Fehlverständnis. Sie diskutiert von technischen Möglichkeiten her, von etablierten Werkzeugen. Dabei müsste etwas ganz anderes der Ausgangspunkt sein: Nämlich die Haltung eines Unternehmens zur digitalen Welt und eine eigene unverwechselbare Position in eben dieser Welt. Ich behaupte, die meisten Corporate Blogs in Deutschland funktionieren nicht (übrigens ebenso wie Facebook Fanpages zukünftig keine wichtige Rolle mehr für die Unternehmenskommunikation spielen werden). Corporate Blogs werden in den seltensten Fällen eine zentrale Rolle innerhalb der eigenen Kommunikationsarchitektur besitzen. Ich weiß, dass mir jetzt einige Berater, Agenturen und auch Unternehmenskommunikatoren entgegenhalten werden, dass dies nicht stimmt. Und zwar mit Argumenten wie:

  • Wir punkten damit super in Google. Antwort: Ja, unter der Unternehmensmarke. Dort würde sonst aber eine andere unternehmenseigene Plattform stehen. Interessant wäre es, wenn ein Corporate Blog unter Spezialthemen mit und auch ohne Unternehmensbezug hoch ranken würde. Das passiert aber eher selten.
  • Wir haben Traffic. Antwort: Okay, aber auch außerhalb der eigenen Mitarbeiterschaft? Dafür funktioniert ein Corporate Blog sogar. Nur übernimmt dieser damit letztlich Aufgaben, die man auch und in meinen Augen besser intern abbilden kann. Dann kann man die Mitarbeiter auch stärker interagieren lassen, was im öffentlichen Raum schwierig ist.
  • Unser Blog ist ein gutes Organ gegenüber Journalisten. Antwort: Das Argument kaufe ich, zumal immer mehr Journalisten selbst bloggen bzw. über redaktionelle Blogs arbeiten. Aber in der Konsequenz sprechen wir dann von einem Newsroom unter dem Label eines Blogs.

In der Zusammenfassung ist im Regelfall kein Einzel-Argument stark genug, um einem Corporate Blog echte Bedeutung zu geben. Diese hätte ein Blog erst dann, wenn es im Social Web als etablierte Quelle für ein bestimmtes Thema oder meinetwegen auch Unternehmen gilt. Aber eben von verschiedenen und vor allem externen Bezugsgruppen. Eine Menge B2B-Unternehmen hielten ein Corporate Blog bisher für ein Allheilmittel. Die Erklärung ist einfach: Es ist schnell aufgesetzt, so hat man eine öffentliche digitale Fläche für die Geschäftspartner. Es braucht wenig Kenntnis, kaum Budget, nur eine(n) Verantwortliche(n). Doch die Illusionen haben sich selten erfüllt. Viele haben heute eine Plattform, aber kaum Kommunikation. Bildschirmfoto 2014-08-19 um 10.48.37Natürlich gibt es Ausnahmen. Ein Daimler Blog hat natürlich Bedeutung. Aber hier sprechen wir von einem riesigen deutschen Arbeitgeber, einer Automarke. Also von einem Unternehmen, das hierzulande per Geburtsrecht Bedeutung und dazu auch ne Menge attraktiven und emotionalen Content besitzt. Dazu treibt Daimler seit Jahren mit großer Überzeugung das Thema Blogging voran. Über dieses Corporate Blog hinaus betreibt Daimler mit Mercedes als Marke übrigens noch einiges mehr an Social Plattformen. Das Blog muss also längst nicht die gesamte Last der Social Media Kommunikation tragen.

Corporate Blogs am Scheideweg: Weitermachen oder abschalten?

Wenn man ganz nüchtern analysiert, dann stehen die meisten Corporate Blogs heute am Scheideweg. Jochen Mai von der Karrierebibel hat dafür in seiner Studie auch Beweise gefunden. Im Kern heißt es, es gäbe zu wenig Interaktion. Die Frage ist: Einfach weitermachen oder abschalten? Die Frage ist für viele vermutlich schwierig zu beantworten, da es nur selten klare KPIs – also echte Messgrößen – für ein Corporate Blog gibt.

Da die meisten Unternehmen für ihre Corporate Blogs keine Erfolgskriterien definiert haben, können sie auch nicht wissen, wann diese gescheitert sind. 

 

Für viele würde ein Abschalten auch einen Gesichtsverlust bedeuten. Dazu kommt sicher die Angst, auch öffentlich als anti-social zu gelten. Darf ich ehrlich sein? Das ist alles Unsinn! In den letzten Jahren haben viele Agenturen und Unternehmen Dinge probiert. Manche haben funktioniert, viele nicht. Viele Facebook Fanpages stehen durch die letzten Algorithmus-Änderungen ebenfalls auf dem Prüfstand. Es wird also Zeit, sich nüchtern mit den Realitäten auseinanderzusetzen. In meinen Augen muss sich die Unternehmenskommunikation ein paar klare Fragen stellen und diese beantworten. Dazu gehören:

1. Haben wir überhaupt die Themen, um ein relevantes Corporate Blog betreiben zu können?

Diese Frage ist elementar, denn man kann Relevanz nicht einfach nur durch etwas soziale Kommunikation erzielen. Bei der Beantwortung sollte man sich dementsprechend auch nicht auf sein Bauchgefühl verlassen, sondern auf valide Daten. Diese kann Google liefern über seine Such-Analysen. Oder auch ein kleiner Social Media Snapshot, der die sozialen Gespräche thematisch beleuchtet. Ist das Suchvolumen gering, so wird auch der externe Traffic gering sein. Sagt der Social Media Snapshot, dass es zum Thema wenig Interaktionen gibt, dann wird dies im Blog nicht anders sein. Mitarbeiter nehme ich hier jeweils aus. Natürlich kann die Antwort dann sein, ein Thema oder das Unternehmen auf die Agenda zu rücken. Nur sollte jedem klar sein, dass ein Corporate Blog das allein nicht schaffen wird. Es wird also mehr brauchen, mindestens Media-Geld.

2. Haben wir die Kultur und Kompetenz, um ein Corporate Blog zu leben?

Dabei will ich jetzt gar nicht zu tief und grundsätzlich werden. Eigentlich ist es ganz einfach: Man braucht gute Schreiber, Mut und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Wenn man sich nicht davon verabschieden will, jede öffentliche Äußerung einem Corporate Messaging zu unterziehen und es somit glatt zu bügeln, dann sollte man die Finger von einem Corporate Blog lassen. Dieses ist nämlich keine Vermarktungsfläche der PR-Mitteilungen. Es braucht einen eigenen Stil. Dieser muss gar nicht zwingend von Beginn an in alle Ewigkeit definiert werden, aber klar muss sein, dass dieser Stil stärker von außen bestimmt wird. Die Blogosphäre lebt von persönlichem Engagement, von Beziehungen, von Geben und Nehmen. Gerade in Deutschland werden kommerzielle Interessen hinter einem Blog nach wie vor kritisch gesehen. Nur wenige Unternehmen sind in der Lage, so viel Persönlichkeit in die Kommunikation zu werfen, dass man sich echte oder zumindest taktische Freunde macht. (taktisch im Sinne von Linktausch, Traffic-Shift, etc.)

3. Was wollen wir eigentlich?

An dieser Stelle komme ich zu meiner Kernthese: Die PR muss sich zukünftig viel stärker mit der Frage befassen, wie sie einen echten Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann. Es braucht definitiv Erfolgskriterien und Kennzahlen. Diese gilt es dann auch für die Performance von Plattformen aufzustellen und abzuprüfen. Ich wette, unter diesen Bedingungen würden wir in den kommenden Monaten eine größere Zahl an Corporate Blog Ausstiegen sehen. Natürlich ist nicht jede PR-Maßnahme mit harten Performance-Zahlen messbar. Möglicherweise aber mit entsprechenden Business Cases. Vor diesem Hintergrund muss auch das Thema Digital Publishing gesehen werden. Die Digitalisierung der PR-Werkzeuge (Broschüren, Magazine) kann mit Blick auf Effizienz (siehe z.B. Druckkosten) Teil einer nachhaltigen digitalen Transformation sein. Von hier aus gedacht kann im Ergebnis etwas ganz anderes als ein Corporate Blog stehen. Meine klare Haltung ist: Lieber mal den sozialen Deckmantel weglassen und ein klares Angebot mit erkennbarer Ausrichtung und Mehrwert aufsetzen. Das nehmen einem die Leute auch ab.

4. Gibt es da noch etwas anderes?

Diese Frage würde ich mir viel häufiger in den deutschen PR-Abteilungen wünschen. Wo sind die Kollegen, die kraft ihrer eigenen Überzeugung auf der Suche sind nach kreativen Lösungen, nach etwas, das es so noch nicht gibt. Warum erfinden Start-Ups täglich irgendwelche Vermarktungs-Möglichkeiten, aber kein Unternehmen schafft etwas? Wohl, weil die Courage fehlt, etwas eigenes zu versuchen. Trotz aller Kritik an der aktuellen Content Marketing Diskussion ist Coca Cola mit Journey nach wie vor mein Paradebeispiel. Dabei ist die Idee gar nicht so weit hergeholt. Vielmehr ist es die Überzeugung, die Konsequenz, mit der Coca-Cola die eigene Corporate Page zur Content-Fläche umgebaut hat. Coca-Cola stellt seine Marken wie die Kunden in den Mittelpunkt. Das erwartet man. Wir sprechen nicht von einem inhaltlichen tiefen Blog, eher von einem bunten unterhaltsamen Magazin, durchaus promotional aufgesetzt. Genau wie früher ein Publikumsmagazin, das man sich voll mit eigenen Marken-Inhalten vorgestellt hätte – und wofür Unternehmen noch heute eine Menge Geld in Form von Advertorials zahlen.

Weg von der Schubladen-Denke!!!

Meine Erwartung an die Unternehmenskommunikation wäre, dass sich diese strategisch überlegt, WAS im Unternehmen kommunikativ Priorität hat und WIE man das am besten umsetzt. Im Ergebnis könnte zunächst ein viel stärkerer Fokus auf interne denn auf externe Kommunikation stehen. Oder eine stärkere Service-Ausrichtung als Push-getriebenes Publishing (wobei ich sehr an die Zukunft des Digital Publishing glaube). McDonalds hat sich beispielsweise für eine Frage-Antwort-Plattform rund um Produktherkunft und –qualtät entschieden. Solch ein Ansatz wäre mit einem Blog nicht in Ansätzen umsetzbar.

FragMcDonalds_Plattform Ich werde an dieser Stelle sicher nicht das tun, was ich kritisiere – nämlich aus der Schublade Empfehlungen geben. Wohl aber möchte ich abschließend noch einmal warnen, ein Corporate Blog nun als logische und nicht mehr zu hinterfragende Konsequenz des Reichweitenverlusts von Facebook Fanpages anzudenken. Reichweite ist eine Frage von Strategie, Inhalt und Vermarktung, nicht eine Frage der Plattform!

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  • Jörg Wetzel @DerOnliner 19. August 2014, 14:36

    Super Blog-Beitrag! Da lohnt sich der Blog doch 😉 Aber korrekt, es gibt viele Corporate Blogs, die genau so „funktionieren“ wie in Deinem Beitrag geschrieben. Wobei bei starken Marken machen Corporate Blogs mit eigenen Redaktionsteams (und Support von Agenturen 😉 sehr viel Sinn! Andere (kleinere) Unternehmen können aber auch mit einer klarer (Nischen?)-Strategie und Kontinuität, Kreativität und Authentizität (diese drei Nomen mussten hier mal sein) punkten – und Ihre Expertise beweisen und darüber in den Dialog mit den berühmten „Stakeholdern“ treten. Vielleicht wäre es in manchen Fällen aber durchaus sinnvoll, die „Blog-Kommunikation“ in Newsroom, Experten-Blog/Forum und klassischen Social-Media-Kanal (Facebook?) zu unterteilen, um die Zielgruppen direkter und besser zu erreichen (machen manche Konzerne schon), denn was ein Corporate-Blog nicht tun sollte ist: versuchen wirklich alle Zielgruppen gleichsam bedienen zu wollen, das funktioniert höchst selten bis nicht!

  • Christian Henne 19. August 2014, 14:43

    Unser Blog hier heißt noch Blog, so wurde es gegründet. Allerdings verstehen wir es eher als Fachmagazin, in dem wir mit sehr niedriger Frequenz etwas zu digitalen Kommunikations- und Marketingthemen schreiben. Um uns selbst geht es hier ganz selten. Das funktioniert innerhalb der Szene natürlich, ist aber nicht vergleichbar mit einem produzierenden Unternehmen oder anderen Dienstleistungssektoren. Ausnahmen gibt es natürlich. Ich habe hier aber eben wie fast nicht anders möglich etwas pauschaler betrachtet.

  • Jan Saarmann 19. August 2014, 14:50

    Nach einigen Sätzen des Kommentierens wurde mir klar: ein Post im Corporate Blog (sic!) ist angesagt:
    http://republic-pr.de/2014/corporate-blogs-funktionieren-gut-manchmal/

  • Christian Buggisch 19. August 2014, 19:56

    Wo ich bei dir bin:
    – Viele Corporate Blogs funktionieren nicht. (Weil sie schlecht gemacht sind. Hat aber nichts mit Blogs zu tun. Viel Kommunikation funktioniert nicht. Weil sie schlecht gemacht ist.)
    – Facebook Pages werden keine große Rolle mehr spielen.
    – Man braucht die richtige Kultur und Kompetenz für ein Blog.

    Wo ich nicht bei dir bin:
    – Technik, SEO und Google sind Argumente. Funktioniert auch ohne Markenkeywords.
    – Die Trennung von interner und externer Kommunikation ist zunehmend schwierig und fraglich, daher ist es legitim und gut, wenn Blogs externe und interne Zielgruppen gleichermaßen erreichen.
    – Newsroom statt Blog? Kein Mensch braucht Newsrooms.
    – Interaktion ist nicht zwingend ein Erfolgskriterium für Corporate Blogs.

    PS: Du willst weg von Schubladendenke und machst zugleich eine Riesen-Schublade auf, auf die du „Blogs“ schreibst. Eine isolierte Betrachtung von Blogs ist völlig sinnlos. Es geht um Kommunikation und Medienmix, ein Mosaiksteinchen dabei können Blogs sein.

    PS 2: Wenn es mehr um Performance, Erfolgskriterien und Kennzahlen ginge, würden wir eine größere Anzahl an Presseabteilungs-Ausstiegen sehen.

  • Christian Henne 19. August 2014, 20:13

    Okay, dann antworte ich kurz:

    Zunächst schreibe ich nicht von Blogs, sondern von Corporate Blogs. Ist für mich ein wichtiger Unterschied.

    Ich sage auch nicht, dass SEO und Google keine Argumente sind. Ich sage nur, dass es in den meisten Fällen nicht reicht, um einem Blog eine echte Bedeutung zu geben. So was leistet die Corporate Website schließlich schon lange.

    In meinen Augen muss es auch zukünftig eine Trennung von geschützter interner Kommunikation zu Mitarbeitern und öffentlicher Kommunikation geben. Du wirst mit einem externen Blog in der Regel nie wirkliches Involvement von Mitarbeitern bekommen. Eben weil es öffentlich ist. Das geht intern schon viel einfacher.

    Ich sage nicht, dass es Newsrooms braucht. Ich sage nur, wer Pressemitteilungen über nen Blog kommuniziert, der macht nen Newsroom unter Deckmantel eines Blogs.

    Und ich sage auch nicht, dass Interaktion ein Erfolgskriterium für ein Blog ist, ich habe sogar immer das Gegenteil behauptet. Ich habe an der Stelle nur eine Studie angeführt.

    Abschließend mache ich zumindest in meinen Augen keine Schublade auf. Ich behaupte, dass die meisten Corporate Blogs nicht funktionieren, aus ganz verschiedenen und nicht nur internen Gründen. Und fordere die Verantwortlichen auf, anders an die Sache ranzugehen. Die Überschrift ist spitz, der Text aber differenziert, wie ich finde.

    P.S. Dass Vertreter, die subjektiv oder objektiv ein erfolgreiches Corporate Blog führen, den Artikel nicht beklatschen, war mir vorher klar. Und Ausnahmen bestätigen die Regel ja sowieso.

  • Christian Buggisch 19. August 2014, 20:53

    Hm, ich halte genau so wenig davon, Blogs (und ich meine hier: Corporate Blogs) als „Allheilmittel“ zu hypen wie sie pauschal mit „funktioniert nicht“ zu beerdigen. Die isolierte pauschale Betrachtung oder Bewertung einzelner Medien/Kanäle bringt einfach nichts. Du kannst in deinem Beitrag „Blog“ durch „Medium XY“ ersetzen – meinetwegen: „Kundenzeitschriften“. Ohne Strategie, die richtigen Themen, Kultur und Kompetenz, Ziele und messbare Erfolgskriterien: zum Scheitern verurteilt. Das ist aber nichts Blog-spezifisches.

    Ich glaube auch, dass Unternehmen heute vor ganz anderen Herausforderungen stehen als der Frage: Blog ja oder nein. Es geht darum, konzertiert und widerspruchsfrei auf allen relevanten Kanälen die Zielgruppen zu erreichen. Und um die Sache zu erschweren: möglichst effizient organisiert, bei sehr endlichen Ressourcen. Ob Blogs dabei im Medienmix eine Rolle spielen sollten, muss man von Fall zu Fall entscheiden.

    PS Wenn ich mir mal was wünschen darf: Eine Benachrichtigungsfunktion hier im Blog für neue Kommentare in Diskussionen mit eigener Beteiligung :)

  • Christian Henne 19. August 2014, 21:10

    Man kann die Headline übrigens auch als Zustandsbeschreibung verstehen 😉

  • Christian 19. August 2014, 22:40

    Fand den Beitrag toll. Sowohl die Kritik und Lob. Viele Grüße von einem Ex Daimler Blogger :)

  • Meike Leopold 20. August 2014, 19:09

    Hi in die Runde, ich antworte dann mal morgen per Blog – sehe es wie Christian, dass Pauschalitäten weder in die eine oder die andere Richtung funktionieren. Aber klasse Debattenbeitrag! :)

  • Markus Weber 20. August 2014, 23:10

    Überschriften, die reiben, sind gut. Anders hätte ich vielleicht nicht in den Artikel gefunden, da (Corporate) Blogs in der Unternehmenskommunikation sicher nicht alles sind. Vieles hat sich in den Kommentaren und den Antworten darauf schon wieder relativiert. Die fehlende Interaktion kann in der Tat kein Manko sein. Hier sollte man differenzieren, wer was typischer Weise konsumiert. Facebook lebt von Interaktion und die Kommentare sind gern zotig unterhaltsam aber selten gehaltvoll. Ein Corporate Blog hat seine ganz speziellen Fans. Nicht nur die eigenen Mitarbeiter sondern Fans der Marke. Das sind potentielle Kunden, aber auch Lieferanten und andere Mittler.

    Viel wichtiger scheint mir die Qualitätsfrage, wann ein Blog ein Corporate Blog ist und dieser tatsächlich seinen Stil gefunden hat. Plumpe Produktwerbung und PR-Meldungen sind hier so fehl am Platz wie auf Facebook.

    Ergo: die Welt braucht keine schlechten Corporate Blogs. Da bin ich einer Meinung mit Christian Henne.

  • Sabine Haas 21. August 2014, 09:38

    Die These von der Nutzlosigkeit der Corporate Blogs ist nicht neu. Ich glaube aber nicht, dass sie durch Wiederholung richtiger wird.. :) Meine (Gegen-)Meinung findet sich hier: http://www.result.de/die-sache-mit-den-unternehmensblogs-ist-unsinn/

  • Christian Henne 21. August 2014, 09:47

    Als ich im Juli in Berlin an der Deutschen Presseakademie vor insgesamt ca. 80 PR-Verantwortlichen Workshops zu Publishing gehalten habe, habe ich auch gefragt, wie die Kollegen mit ihren Corporate Blogs zufrieden sind. Es gab nur sehr wenig Begeisterung.

    Man muss meinen Artikel richtig lesen: Ich spreche gar nicht von Nutzlosigkeit. Ich spreche erstmal von gewissen Voraussetzungen und stelle fest, dass diese selten gegeben sind und Corporate Blogs deshalb nicht funktionieren. Und ich glaube schon, dass viele Unternehmen erstmal nen Corporate Blog gemacht haben, einfach weil das in den letzten Jahren so ein wenig als Pflicht galt.

    Meine Aussage ist auch, dass sich die Unternehmenskommunikation natürlich mit der Frage befassen soll, worüber sie kommuniziert. Ich wehre mich nur dagegen, ein Corporate Blog einfach mal als Standard zu definieren und fordere stattdessen mehr Kreativität und Strategie.

  • Stefan Pfeiffer 21. August 2014, 15:17

    Passend zum Thema: Why Your Company Blog Shouldn’t Be About Your Company > http://www.forbes.com/sites/jaysondemers/2014/08/18/why-your-company-blog-shouldnt-be-about-your-company/

    Corporate Blogs funktionieren meiner Ansicht nach oft nicht,
    # weil sie zu sehr werblich sind,
    # zu selten und zu wenig relevante und gut geschriebene Inhalte veröffentlicht werden,
    # Experten & Autoren aus dem eigenen Unternehmen nicht die Zeit und Wertschättzung gegeben, wird, die sie verdienen, wenn sie „corporate bloggen“,
    # sogenannte Experten sich als Ghost Writer versuchen, Ghost Writing geht in 90 % der Fälle in die Hose,
    # keine erkennbaren Gesichter hinter dem B,og stehen,
    # viel zu sehr mit der Sales Brille und vermeintlchen ROI-Zahlen rumgefuchtelt wird,
    # meist nicht verstanden wird, dass dies das langsame Bohren eines dicken Brettes ist, sprich man viel Zeit braucht, bis ein Corporate Blog Vertrauen gewonnen hat,
    ….

  • gsohn 22. August 2014, 20:41

    Ob Blog, Facebook, Pressemitteilungen, öffentliche Reden oder Interviews mit Journalisten: Unternehmen wollen in ihrer Außenkommunikation gerne als eine einheitliche Entität wahrgenommen werden.

    „Genau das funktioniert nicht mehr, auch wenn man strikte Social Media-Guidlines formuliert oder Regeln festlegt, wer in der Außenwelt etwas sagen darf und was er sagen darf. Auch hier versucht man, das Ganze in Kontrollstrukturen einzugliedern, damit krampfhaft das Bild einer einheitlichen Entität gewahrt wird. Das kostet unglaublich viel Energie und funktioniert am Ende doch nicht“, so die treffliche Analyse von Kontrollverlust-Blogger Michael Seemann.

    Deshalb landen eben auch 99,99 Prozent aller Pressemitteilungen, die von Firmen kommen, im Papierkorb. Deshalb gibt es keine Interaktion auf Corporate Blogs, deshalb verunglücken viele Interviews. Es gibt eindeutig identifizierbare Nachrichtenfaktoren, die für Aufmerksamkeit sorgen oder eben nicht: Schwellenfaktor eines Ereignisses, Eindeutigkeit der Nachricht, Tragweite, Überraschung, Kontinuität (rauscht etwas wie ein Lauffeuer durch die Öffentlichkeit – Mem-Stärke würde ich das nennen), Personalisierung und Negativismus (Konflikt, Kontroverse, Aggression, Zerstörung und Tod). Alles andere ist halt die Schönwetter-Sauce von PR und Marketing, die täglich ins Netz gegossen wird. Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Die Ursachen liegen häufig beim Top-Management, das davon ausgeht, Öffentlichkeit wie ein Perlenspiel beherrschen zu können. So funktioniert aber Öffentlichkeit nicht.

  • Christian Henne 23. August 2014, 09:21

    Ich denke schon, dass Unternehmen ihre Kommunikation auch an gewissen Stellen mit dem nötigen Corporate Messaging versehen müssen. Klare Botschaften werden nicht deutlicher, wenn man sie ständig anders erzählt. Ebenso wie ich nicht glaube, dass man auch in Zeiten von Social Media seine Marke durchweg demokratisch bestimmen lassen kann. Dann ist es keine Marke mehr.

    Wichtig aber ist, den Charakter der Kanäle zu sehen und zu prüfen, ob man dort so agieren will und kann, wie es notwendig ist. Meine Kernaussage im Artikel ist: Die meisten Unternehmen können oder wollen das eben nicht. Deshalb ist ein Corporate Blog selten das richtige Werkzeug. Deshalb funktionieren die wenigsten.

    Davon abgesehen macht ein Blog ein Unternehmen auch nicht relevant, wenn es dies an anderen Stellen nicht ist. Das ist eine Überschätzung eines Corporate Blogs, das kann dieses schlicht nicht leisten. Mein Gefühl ist, dass für einige PR-Abteilungen genau das aber die Hoffnung ist. Diese wird dann eben enttäuscht. Vor allem in Mittelstand und B2B.

    • Patentanwalt Kaufmann 29. August 2014, 19:09

      So sehe ich es auch. Man kann eigentlich nur in dem Medium mit-schwimmen und dadurch Aufmerksamkeit erzielen. Zur Markenbildung trägt das in der Regel positiv und negativ nicht bei. Es kann im besten Fall bei der Zielgruppe oder einem Teil davon cool ankommen, weil man sich den in Wirklichkeit gewollten Shitstorm leisten kann oder erbärmlich wirken, denn es gibt 2014 immer noch Premium B2B und einige B2C Bereiche, die findet man nicht in Social Media. Es ist ein chaotisches System, das sehr teuer ist, weil es viel Zeit kostet und selbst bei viralem Effekt wenig bringt. Wenn ich Weihnachtsartikel oder bildreiche Emotion verkaufen will, ist es natürlich sinnvoller als bei Produkten die sich nicht so an die breite Masse wenden. Den Blog von Mercedes finde ich doch eher abschreckend. Zwar habe ich meine A-Klasse deswegen nicht verkauft, habe aber vorsichtshalber noch einen Audi mit – nach meinem Geschmack – viel besserer Unternehmenskommunikation.

  • Meike Leopold 24. August 2014, 17:09

    Hallo Christian, so seh ich die Sache. Viele Grüße! http://starttalking.de/freude-statt-frust-mit-corporate-blogs/

  • Christian Henne 25. August 2014, 10:35

    Danke, Meike. Ich stimm Deinem Artikel in großen Teilen zu. Vor allem, wenn wir solche Dinge wie Coca-Cola Journey nicht in der Begriffsverengung von Corporate Blogs sehen sondern einfach als Konzept, Inhalte digital zu vermitteln. An Marken-Magazine und Publishing glaube ich nämlich sehr stark. Und da wie viele sagen Interaktion nicht alles ist, muss es auch nicht immer irre social sein, so lange es einen informativen oder unterhaltsamen Mehrwert liefert.

    In einem Punkt möchte ich aber widersprechen – und das ist auch eine Hauptaussage meines Beitrags: Man schafft es in meinen Augen mit einem Corporate Blog lange nicht, jedes Thema relevant machen. Es gibt Themen, die sind im Web einfach nicht relevant. Natürlich wird sich bei jedem Unternehmen eine kleine Zielgruppe für etwas interessieren. Die Frage nur ist, ob ich dafür ne öffentliche Plattform schaffen muss und ob der Aufwand dafür lohnt. Ich kann mir für ein B2B Unternehmen auch vorstellen, ne interne Enterprise Anwendung zu bauen, in die man dann Geschäftspartner einlädt. Social heißt für mich nicht zwingend öffentlich. manche Dinge funktionieren geschlossen sogar besser. Und gerade für den gegenseitigen Austausch gibt es bessere Wege als einen Corporate Blog. Die Frage ist im ersten Schritt das Ziel, nicht die Plattform. Denkt man von der Plattform, dann schließen sich ein paar Dinge gleich aus.

  • Meike Leopold 25. August 2014, 11:12

    Hi Christian,

    Ich meinte eher, dass man jede noch so dröge Thema gut „verkaufen“ kann auf einem Blog. ; ) Ob das Medium dann richtig ist, ist wirklich eine andere Frage. Man muss ja in der Kommunikation vom „Schmerz“ her kommen und dann schauen, welches Rezept dafür am besten ist. Bei Salesforce haben wir zum Beispiel viele Communities mit Partnern oder Kunden, die nicht öffentlich laufen.

    lg, Meike

  • Michaela Brandl 28. August 2014, 14:31

    Hallo Christian,
    dann hier gerne auch nochmal der Vollständigkeit halber: Ich finde nicht, dass man über Corporate Blogs pauschal sagen sollte, sie funktionieren nicht. Viele Unternehmensblogs in Deutschland funktionieren tatsächlich nicht, aber das liegt meiner Meinung nach daran, dass viele notwenigen Voraussetzungen für ein Gelingen einfach nicht gegeben sind. Näheres gerne hier: http://echtzeitig.com/2014/08/27/corporate-blogs-funktionieren-doch/

  • Christian Henne 28. August 2014, 14:35

    …aber nichts anderes schreibe ich doch, Michaela. Die Frage nur ist, ob die PR-Abteilungen die teilweise sehr grundsätzlichen Voraussetzungen verändern können, oder ob sie gemessen an den Realitäten nicht etwas entwickeln sollten, was funktioniert.

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