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Alles neu mit Crowdsourcing und innovativem Storytelling. Oder doch nur Promo und Fanzählfetischismus?

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Dieses Thema liegt mir schon lange auf der Seele. Crowdsourcing und innovatives Storytelling sind aktuelle Buzzwords in der Social Media Szene. Vielleicht nähere ich mich dem Thema mal über die Definitionen:

 

Der Gedanke ist gut und sicherlich für Unternehmen heute bei dem enormen Overload an Informationen wichtig, um relevant zu sein und gehört zu werden. Die Realität aber ist eine veränderte Definition dieser Grundideen. Und zwar das Verändern hin zur Promotion vor dem Deckmantel von Beteiligung und dem Erzählen von Geschichten, die andere interessieren.

Nehmen wir mal das Thema Crowdscourcing. Es ist eine tolle Grundidee, Menschen an der Entwicklung von  Marken oder Produkten zu beteiligen. Ob nun ein neues Design für eine Pril-Flasche, die in limitierter Anzahl in den Handel geht oder das neue Gesicht der Otto Facebook Seite. Das schafft Involvement.

Aber warum die Gewinnspiel-Promo?

Nehmen wir mal die Otto-Aktion. An sich hätte es doch so sein müssen, dass die Leute deshalb mitmachen, weil sie gerne das Gesicht der Facebook-Seite sein wollen. Wenn der Sieger aber einen Einkaufsgutschein von 400,00 € bekommt, dann ist die Frage, um welchen Preis es den Teilnehmern eigentlich ging.

Noch extremer ist es bei der Pril-Aktion. Davon abgesehen, dass es Unstimmigkeiten bei der Wahl der Designs gab, will ich auch hier auf den Promo-Aspekt eingehen.

Zwei Reisen für 1.800 €, 8 iPads und 100 Kapuzenpullis. Kann man hier wirklich noch von Crowdsourcing reden oder ist das nicht einfach eine attraktive Promo zusammen mit einem Reiseanbieter und dem Must-Have-Produkt des Jahres? Und letztlich auch die Frage: Wenn zwei Flaschen Design in limitierter Form in den Handel kommen (limitiert ist ein sehr variabler Begriff), wurde dann die Menge wirklich an der Entwicklung des eigentlichen Produkts beteiligt? Und auch die Frage: Ist die Facebook Community eigentlich ansatzweise die Käuferschicht. Oder provokativer gefragt: Warum lasse ich Menschen eine Flasche designen, die diese Flasche vermutlich nie kaufen werden? Dann ist auch klar, dass ich ordentliche Preise anbieten muss, denn das Produkt selbst dürfte in der Community wenig Relevanz haben.

Innovatives Storytelling

Auch so ein Thema. Gerade heute habe ich im Blog von knallgrau.at gelesen, dass diese Idee hier von My SPAR innovatives Storytelling sei.

Da muss ich mich schon wundern. „Schick uns Deine My SPAR Geschichte und gewinne…“ ist doch kein innovatives Storytelling. Das ist eine ganz klassische Gewinnspiel-Promotion. So etwas gab es reihenweise auch schon vor Jahren in klassischen Publikumsmedien, als die PR-Agenturen noch krampfhaft nach Möglichkeiten gesucht haben, etwas unterzubringen. Die schönste Geschichte stand dann im Heft. Das einzig neue hieran ist doch der Kanal, der das ganze noch einfacher macht, weil man die Redaktion dazwischen nicht mehr sitzen hat, die mit Blick auf Anzeigenvolumen auch mal nein sagt.

Im Falle von My Spar kann man das Element, sich in der Werbung wiederzufinden eher begrüßen. Aber es steht schon im Gewinnspielaufruf kleiner als die Gutscheine – klarer Hinweis auf die gesetzten Prioritäten.

Ich möchte mich hier gar nicht gegen solche Aktion aussprechen. Das ganze scheint ja manchmal den Nerv zu treffen. Aber dies als innovative Konzepte zu verkaufen oder gar eine völlig neue Art von Kommunikation zu bezeichnen, geht an der Realität vorbei.

Fanzählfetischismus

Mirko Lange hat letztens in seinem Blog ganz richtig geschrieben, dass ein Facebook Fan an sich erst einmal wenig wert ist – also in seiner Bedeutung als Botschafter.

Dem stimme ich absolut zu. Für ganz entscheidend aber halte ich hier die Frage, wo die Fans denn herkommen. Mit Blick auf die oben genannten Gewinnspielaktionen muss man wirklich die Frage stellen, wie loyal die Fans sind. Dennoch ist Reichweite einfach ein Kriterium in Marketing und Kommunikation. Und eine große Anzahl von loyalen Fans sind sehr wohl ein Hinweis auf die Relevanz eines Unternehmens oder einer Marke. Diese Fans können von allein auf eine Facebook Page kommen – oder auch vom Unternehmen aktiviert. Ich finde hier das Beispiel von Head Tennis aktuell sehr gut.

Man mag sich über die Kreativität im TV-Spot streiten. Aber Head ködert seine Fans nicht mit Preisen, sondern schafft einfach einen Transfer vom klassischen Medium TV hin zu Social Web – und dort dann mit den Menschen direkter in Kontakt zu kommen. Und das über eine Person, die der Marke Gesicht und Ausstrahlung verleiht. Genau der Grund, warum man Testimonials verpflichtet.

Fans binden vor neue gewinnen!

Und ich glaube, dass hier eine ganz wichtige Rolle der Social Communities deutlich wird. Während Gewinnspiel-Aktionen zumeist darauf abzielen, eine große Menge an neuen Fans zu generieren – hat die Head-Aktion das Ziel, interessierte Menschen kanalübergreifend zu binden. Das halte ich für das erste Ziel.

Ich glaube nach wie vor: Social Communities bieten eine tolle Chance, in stetigen Kontakt mit Menschen zu kommen, stärker zu interagieren und einen Blick hinter die eigenen Kulissen zuzulassen. Und darüber dann mit Empfehlungen auch neue Fans zu gewinnen. Das künstliche Generieren von Fans ist aber kein Weg. Das gilt für unseriöse Anbieter ebenso wie für platte Gewinnspiele unter der Tarnung innovativer Kommunikation.

Wenn jemand gute Beispiele für Crowdscourcing und Storytelling hat, dann bitte hier als Kommentar hineinschreiben. Ich würde in absehbarer Zeit gerne einen Beitrag zu guten Konzepten schreiben.

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zur Agentur-Website der Online PR Agentur henne.digital

{ 2 comments… add one }
  • Dennis 18. Juni 2011, 10:32

    Habe mich neulich in der Roadbike/Tour über eine nette Idee des Rose-Versand gewundert. Dort wird versucht die Marke positiv zu emotionalisieren, indem (ausgewählte?) Rose-Fahrer Ihre Lieblingsroute/Lieblingstrainingsrunde preisgeben. So nach dem Motto „Das erlebt sich nur mit meinem (custommade) Rose so schön“.

    Ich hab sie allerdings nicht überbewusst wahrgenommen und kann nicht sagen, ob die Fahrer gecastet sind oder ob sie Geld dafür bekommen. Wenn du magst such ich sie dir raus.
    Merke grade, dass es etwas am ST-Thema vorbei sein könnte.

  • Die Woche in Links (24/11) | gumpelMEDIA 20. Juni 2011, 20:03

    […] Alles neu mit Crowdsourcing und innovativem Storytelling. Oder doch nur Promo und Fanzählfetischism… Wieder eine Woche vorbei. Der Regen an manchen Tagen hat viele Links herein gespült: Yup, YouTube Counts Video Ads As Regular Views Behind the Scenes on 8 Innovative Social Media Campaigns 100 Must Follow Twitter Accounts To Improve Your Social Media Knowledge Social media policies Social Media Scheduling and Profile Protection Tools from #HootSuite Crowdconvention Berlin – Wie sieht die … Dieser Beitrag wurde unter Crowdfunding, Mobile, Social Media, Trends, Twitter, Virales Marketing, YouTube abgelegt und mit app, ARG, Campaign, Crowdconvention, Crowdfunding, HootSuite, Outsourcing, Policy, Social Media, Storytelling, TV, Twitter, Venture Capital, viral, YouTube verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. ← Die richtige Ernährung am Arbeitsplatz […]

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