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Die Bahn auf Facebook: Chefticket für die Kritiker

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Aktuell spielt sich auf Facebook eine interessanter Showcase ab. Die Bahn hat mit ihrem Chefticket eine Vertriebsmaßnahme auf Facebook etabliert. Dafür bekommt sie massiven Zulauf in kurzer Zeit – nur sprechen die Leute dort kaum über das Angebot.

Ausschnitt aus der Diskussion auf der Facebook-Seite der Bahn

Aktuell diskutieren Agenturen und Social Media Berater darüber, ob dies nun eine geschickte oder weniger geschickte Maßnahme ist. Für mich ist die eigentliche Frage, welchem Ziel diese Maßnahme dienen soll? Hier eine Zusammenfassung einiger Thesen und meine Fragen bzw. Antworten:

These 1: Die Bahn schafft eine Plattform für Austausch und Dialog.
Dies könnte die Bahn tun, um insgesamt als dialogbereit wahrgenommen zu werden. Wäre allerdings nur mit klarem Bezug zu Stuttgart21 wirklich transparent und käme nun zu spät.

These 2: Die Bahn will die Kritik kanalisieren und hat mit dem Chef-Ticket eine klare Exit-Strategie.
Macht es wirklich Sinn, die erhitzte Debatte als Bahn selbst auf dem aktuell wichtigsten Social Network zu forcieren und somit negative virale Effekte selbst zu befördern? Kann die Bahn eine Facebook-Seite namens „Deutsche Bahn“ mit mehreren tausend Mitgliedern wirklich einfach abschalten? Wäre ein solcher Exit wirklich ohne Risiko?

These 3: Es ist eine reine Vertriebsaktion. Und die auf Facebook implementiert.
Dies halte ich für eine nachvollziehbare These. Die Realität aber zeigt, dass der aktuelle Unmut über die Bahn das eigentliche Thema völlig überlagert – und dass es dagegen auch bei bester Vorbereitung kaum ein Mittel gibt. Zudem sollte die Seite dann nicht unbedingt unter „Deutsche Bahn“ firmieren. Dies öffnet automatisch die Türen für alle Themen!

These 4: Die Bahn nutzt die aufgeheizte Situation bewusst, um schnell Fans auf Ihre Facebook Seite zu bekommen.
Wieviele Fans sind eine relevante Größe für die Bahn gemessen an den Passagierzahlen? 5.000? 10.000? 100.000 ? Aktuell sieht es so aus, als würde sich die Bahn vor allem Kritiker auf die Seite holen. Kann man so etwas in Kauf nehmen, um später Vertriebsziele zu erreichen?

Für eine echte Bewertung dieser Initiative ist es ganz sicher zu früh. Eines aber zeigt die Sache ganz deutlich: Facebook ist keine Insel, auf der alles ganz anders läuft. Menschen beschäftigen sich mit Themen – und sie tauschen sich darüber aus – vor allem wenn es kontroverse Themen sind. Facebook macht hier keine Ausnahme, sondern kann vielmehr zum Katalysator einer solchen Kontroverse werden. Eine klare Ausrichtung auf Einzelthemen ist fast nicht möglich.

Die Facebook-Seite der Bahn ist zu verfolgen unter www.facebook.com/chefticket

Diskussionen gibt es auch hier: http://blog.talkabout.de/2010/10/19/dumm-gelaufen-und-nun-handlungsalternativen-der-bahn-zum-chefticket/trackback/

{ 7 comments… add one }
  • Christian 24. Oktober 2010, 18:30

    Sonntags hat man ja auch mal Zeit, auf Blogposts zu antworten. Also los:

    These 1
    Unterschreibe ich nicht. Hier geht’s meines Erachtens um eine Promotion in einem neuen Kanal. Es geht darum, neue Kundengruppen an die Bahn zu binden – aber meines Erachtens durch das Ticket und nicht durch den „Dialog“. Allerdings: Man muss sich natürlich auf die Spielregeln der Plattform einlassen. Insofern ist der Dialog eine Konsequenz der Promotion auf Facebook.

    These 2
    Ist es nicht so, dass jeder weiß, dass die Bahn ein absolut mieses Image hat? Meines Erachtens können die nur gewinnen. Wenn sie zuhören. Sie machen das auch nicht schlecht. Nach ein paar Tagen hat sich die Kritik deutlich reduziert.

    These 3:
    s. Antwort auf These 2

    These 4:
    s. Antwort auf 2+3.

    Gruß!

  • Casi 28. Oktober 2010, 13:26

    Schöner Artikel mit vielen richtigen Schlussfolgerungen :)
    Der These 4 stimme ich aber nicht zu – glaube nicht, dass die Bahn die Stimmung zum Anhänger-Fang nutzen möchte, schließlich soll die Chefticket-Seite nach der Aktion ja wieder abgeschaltet werden.
    @Christian – die Kritik hat sich deswegen verringert, weil die Administratoren der Seite Kritik nun verstärkt löschen 😉

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