≡ Menu

Domian bei Facebook: Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal. Wirklich?

Domian bei Facebook: Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal. Wirklich? post image

Diesem Artikel möchte ich voranstellen, dass er ein sehr persönlicher und damit reine Meinung ist. Und dass ich keinen Anspruch darauf erhebe, dass diese Meinung nun richtig ist und von jedem übernommen werden müsste.

Vor einigen Tagen löschte Facebook ein Posting von Radio-Moderator Domian, der die Wahl des neuen Papstes kritisch kommentierte. in der Folge gab es eine Welle an Empörung zunächst zum Verhalten von Facebook. Daraufhin entschuldigte sich Tina Kulow von Facebook. Das Posting wurde wieder online gestellt. Letztlich also Fehlverhalten eingeräumt.

Bildschirmfoto 2013-03-22 um 10.38.04

Damit war es ja eigentlich gut. Doch wie es so ist, springen auf ein so öffentliches Thema dann einige auf – so auch hier. Der Socialmediawatchblog schrieb, man sollte lieber bloggen. Soziale Netzwerke seien einfach intransparent. Social Media Autorin Kerstin Hoffmann formulierte es zugespitzter. „Dein Facebook gehört nicht Dir“. Dazu formulierte sie auch: „Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal.“ Ihre Kernaussage letztlich ist: Freiheit gibt es nicht in Netzwerken und bei irgendwelchen Anbietern. Also alles auf einen eigenen Webspace ziehen, um die volle Kontrolle zu haben. Argumentiert wird auch, Facebook sei ein Wirtschaftsunternehmen, das ganze sei Business, man müsse wissen, was mit den Daten passiere, etc., etc….

Ich habe damit echte Probleme, und zwar aus folgenden Gründen:

Menschenrechte: Die freie Meinungsäußerung.

Mir ist es zunächst völlig egal, ob online oder offline, Konfession oder nicht. Ich möchte, dass ich mich auf unsere Verfassung und auf Demokratie berufen kann. Und wenn ich in diesem Land überall meine Meinung in Rahmen dieser Grenzen äußern darf, dann erwarte ich auch, dass ich das im Internet darf. Völlig unabhängig vom Anbieter. Es ist nicht lange her, da haben wir Twitter und Facebook für Ihre Rolle bei den Revolutionen im Nahen Osten gefeiert. Thema freie Meinungsäußerung und Internet.

Facebook löscht auch nicht die Seite der NPD. Eben weil rechtlich legal. Sie müssten und würden es tun, hätten wir ein existentes NPD-Verbot in Deutschland.

Business. Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal.

Und? Seit wann schließen sich Menschenrechte und Geschäft aus. Verlangen wir nicht von Arbeitgebern, sich im gesetzlichen Rahmen zu bewegen. Schreien wir nicht auf, wenn Mitarbeiter kontrolliert werden?  Seit wann muss ich dem Geschäft das Recht auf freie Meinungsäußerung unterordnen?

Um es klar zu sagen: Für mich ist Social kein Deal. Denn Social ist, was ich mache, wie ich kommuniziere. Ein Anbieter kann einen Deal machen. Aber Facebook ist eben nicht gleich Social Media.

Nutzungsbedingungen: Was haben Daten mit freier Meinungsäußerung zu tun?

Natürlich hat ein Anbieter wie Facebook wirtschaftliche Interessen. Natürlich ein Geschäftsmodell. Dieses basiert auf Daten als Währung. Wir alle dürfen diese Netzwerke kostenlos nutzen, dafür geben wir etwas von uns preis, was vermarktet werden kann. Wer dies nicht möchte, der lässt die Finger von Facebook. Dafür gibt es Geschäftsbedingungen.

Nur: Was hat dieses Thema mit dem Eingriff in Inhalte zu tun? In meinen Augen gar nichts. Facebook ist gezwungen, die Plattform frei zu halten von Einträgen, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Täglich werden Einträge gemeldet. Alles verständlich. Aber man muss nur den Domian-Eintrag lesen, um zu sehen, dass dieser nun nicht in Ansätzen gegen Nutzungsbedingungen verstoßen kann.

Letztlich hat sich Facebook entschuldigt. Es war also ein Fehler – auch aus Anbieter-Sicht.

Eigener Webspace: Ist das realistisch für alle?

Facebook hat weltweit nach eigenen Angaben ca. 1.000.000.000 Mitglieder. In Deutschland über 20 Millionen. Davon zu großen Teilen junge Menschen, Teenager. Nutzer, die sich mit Freunden verbinden wollen, sich austauschen wollen.

Soll man diesen Leuten sagen: Hallo, für freie Meinungsäußerung legt Euch bitte ein Blog an auf einem eigenen Webspace?

Ich glaube nicht!  Die meisten sind dazu nicht in der Lage, wollen es nicht, haben die Zeit nicht, ticken so nicht. In meinen Augen ist das Berater- und Bloggerdenke. Und ich weiß natürlich, dass Berater sofort die Chance wittern, Unternehmen von der Sinnhaftigkeit von Corporate Blogs statt Facebook Pages zu überzeugen. Ist letztlich Geschäft. Ich lasse mal außen vor, dass es vor gewisser Zeit auch einen anderen Trend gab.

Die Verantwortung von Facebook.

In meinen Augen hat Facebook als Anbieter dieser Größe einfach auch gesellschaftliche Verantwortung. Dieser kann man sich nicht mit Verweis auf Business entziehen. Das tut Facebook ja auch nicht. Punkt.

Das Internet ist keine Insel mehr!!!

Der für mich wichtigste Punkt aber liegt in der Grundhaltung zum digitalen Raum. Für mich ist das Internet eben kein Raum voller Spezialinteressierter, sondern es ist Mainstream, Alltag, Grundbedürfnis.

Und damit müssen auch die Regeln gelten, die für uns offline schon lange Common Sense sind. Wir streiten offline auch darüber, welche Daten Einwohnermeldeämter nutzen dürfen, wo die Grenzen liegen. Aber wir streiten doch wohl nicht ernsthaft darüber, dass mir jemand meine artikulierte Meinung im gesetzlichen Rahmen streichen, löschen oder untersagen darf, oder?

Ende.

 

Linktipp: Die rechtliche Seite des Falles Domian

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment