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Mensch oder Onliner: Was Unternehmen von der Online-Partnersuche lernen können

Ich habe vor wenigen Tagen eine Grafik zur menschlichen Evolution aus Online-Sicht gesehen. Kompliment an Ibrahim Evsan, der Social Media und Online wie wenige andere in Deutschland lebt.

Vom Affen zum Onliner: von Ibrahim Evsan

 


Mittlerweile dürfte ja auch bekannt sein, dass ich bei aller Bedeutung von online und Social Media die Menschen zunächst als Menschen verstehe, und nicht als Nutzer bestimmter Medien. Gleichzeitig entwickeln wir uns aber zunehmend in eine digitale Richtung, in der Kommunikation auch über technische Geräte und Medien wichtiger wird – und wir uns darüber sogar teilweise definieren.

Die Partnersuche: Online-Dating oder doch lieber real?

Vielleicht macht es Sinn, das Thema „digitaler Lifestyle“ mal über eines der menschlichen Grundbedürfnisse anzugehen. Nämlich die Suche nach einem Lebenspartner – ob kurz-, mittel-, oder langfristig. Dies fällt mir als Leiter der Kommunikation bei Deutschlands Singlebörse neu.de auch entsprechend leichter.

In Deutschland sind etwa 11 Millionen Menschen auf Partnersuche, davon besitzen ca. 7 Millionen ein Profil in einer Kontaktbörse. Fast 2.500 Anbieter jeglicher Coleur gibt es in Deutschland. Von regionalen über Kontaktbörsen für Haustierbesitzer, Senioren-Plattformen bis hin zu den großen Seiten, die auch im Werbe-TV zu sehen sind. Allein auf neu.de melden sich pro Tag mehrere tausend neue Mitglieder an.

Man könnte meinen: Partnersuche ist einfach digital. Wir stumpfen ab, kein Platz mehr für menschliche Gefühle und die Realität. Doch stimmt das?

digital is nothing without reality!

Nein. Ganz Im Gegenteil. Gerade die Partnersuche beweist, dass die digitale Kommunikation die reale Welt nicht ersetzen kann – dass sie ohne die reale Welt letztlich nichts wert ist. Nur die Chance auf ein reales Treffen mit aller Emotionalität gibt dem Online-Dating erst die Berechtigung. Der Wunsch, sich in einen Menschen zu verlieben oder zumindest mal ein paar Schmetterlinge im Bauch zu haben, treibt so viele Singles in die Singlebörsen. Hier wird das Zusammenspiel von digital und real deutlich. Die Chancen, heute direkt miteinander in Verbindung zu treten werden weniger. Das Leben ist hektisch, wir verändern uns sehr schnell – auch rein geografisch. Dies alles ändert aber nichts an dem Herzenswunsch, mit anderen Menschen in der Realität in Kontakt zu kommen, die Stimme zu hören, die Augen zu sehen. Dies macht letztlich die große Bedeutung von Singlebörsen aus, die ja nur beim ersten Schritt – der Kontaktaufnahme – helfen. Nach einem erfolgreichen Date hat die Singlebörse ihre Bedeutung schlagartig verloren.

Was sagt uns das?

Ich glaube ganz fest daran, dass der Wunsch nach einem realen Lebenspartner ebenso wie viele andere ganz reale Wünsche für die Menschen immer wichtig sein werden. Und ich glaube, dass allein digitale Kommunikation auf Dauer entfremdet und damit Emotionalität verschwindet. Diese Emotionalität ist aber gerade das, was nicht nur Menschen sondern auch Marken für sich gerne beanspruchen. Wer noch einen Beweis für diese These sucht, der soll sich die Geschichte von „Second Life“ anschauen. Eine rein virtuelle Welt ohne den Versuch, einen Kontakt zur Realität herzustellen.

Erlebbar sein. Emotionen wecken.

Bezogen auf Marken und Unternehmen in Social Media ist die Partnersuche meines Erachtens ein sehr guter Showcase. Nur wer Begehrlichkeiten in der Realität weckt, wer erlebbar ist, wer es versteht, Emotionen zu wecken – der wird auch in der Online-Welt eine Bedeutung erlangen. Umgekehrt gilt dies nur für Unternehmen mit einem reinen Online-Geschäftsmodell. Alle anderen müssen ihre Bestimmung in der Realität finden und ständig nachweisen.

Nicht zufällig haben die großen Marken wie Red Bull, Coca Cola, Adidas und Nike so viele Fans auf Facebook. Coca Cola schickt zu Weihnachten Trucks durch die Republik, ist über Jahrzehnte gesehen der größten Sportsponsor. Da wurde eine Marke entwickelt für ein Produkt, dass per se keine Emotionen besitzt. Nach Vettels WM-Sieg muss man zu Red Bull nicht mehr viel sagen. Eine ganz ähnliche Strategie. Adidas und Nike ziehen ihre Emotionen und ihre Bedeutung aus den Athleten und der hohen Identifikation der Menschen mit Idolen.

Um es in der Sprache der Singlebörsen zu sagen: Eine Marke muss sich interessant machen, sie muss attraktiv sein, damit Menschen mit ihr in Kontakt treten wollen. Bin ich interessant, dann kann ich eine Menge Menschen für mich begeistern. Und das Social Web ist eine tolle Möglichkeit, bei der Kontaktaufnahme zu helfen und diesen Kontakt weiter zu pflegen. Wichtig bleibt aber, dass ich in der Realität das bin, was ich in der digitalen Welt vorgegeben habe.

Die Singles würden sagen: Sei authentisch und ehrlich.

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