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Social Media. Die große Party ist vorbei. Dafür gibt’s jetzt viele kleine.

Diese Woche hat die W&V in der Social Media Szene mächtig für Bohei gesorgt. Da wurde getitelt „Die Web 2.0 Party ist vorbei“. Und dann in 5 Punkten erklärt, wie das jetzt geht in Social Media. Also eigentlich alles wie gehabt.

Nun habe ich es persönlich nicht so mit 5-Punkte-Listen – und noch viel weniger mit allgemeinen und absoluten Betrachtungen zu Kommunikation. Es gibt wohl nur wenige Dinge, die man einfach mal schnell universell beantworten kann. Zum Glück, sonst bräuchte es keine klugen Köpfe und Strategen. Letztlich ist Red Bull Entertainment und muss es auch digital sein. Die Telekom bietet unter anderem Service. Und muss dies auch digital tun. Kann aber trotzdem auch Kampagnen fahren. Es geht also um zugeschnittene Lösungen für das eigene Unternehmen.

Aber irgendwie hat mich das mit der Party gereizt. Ich mag das Wort als Synonym für Social Media eigentlich nicht – denn es trifft den Kern in meinen Augen nicht. Aber als Wortspiel eignet es sich auch für diesen Beitrag.  Na dann mal los mit der Party!

Zunächst mal stimme ich den beiden Autoren zu. Die große Party ist vorbei. Zumindest wenn man die Party meint, bei der einfach alle nur dabei sein wollten. Dachten jeder quatscht mit jedem. Ich könnte dort schnell mal was verkaufen und irgendwie würde es ja auch reichen, einfach nur da zu sein. Die Gäste kommen dann schon auf einen zu.

Ja! Diese Party ist vorbei. Oder besser: Es gab sie nie. Die Zeit der schnellen Partyberater ist durch. Immer das gleiche Buffet als Erfolgsformel wirkt nicht. Hat es auch bisher nicht.

ABER!!! Es gibt unzählige kleine Parties. Und die Kunst ist es nun, sich zu überlegen, ob man auf die gehen will oder doch selbst lieber eine veranstaltet. Und wenn ja, wie, für wen und mit welcher Musik.

Die Betriebs-Party.

Ohne gute Betriebsfeier keine Stimmung!  Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter einbinden. Sie selbst zu Veranstaltern der Party machen. Und wie das bei guten Betriebsfeiern so ist, man kommt nach dem Kater gerne wieder ins Büro, hat sich richtig was zu erzählen und erzählt davon auch Freunden.

Die geschlossene Party.

Manchmal will man ja auch mal in kleiner Runde feiern. Ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Die kleine ausgewählte Community versammeln, die man kennt. Also zum Beispiel mal Blogger ins Unternehmen einladen. Oder auf eine Medienveranstaltung. Ganz ohne direkte Erwartungshaltung. Einfach nur für die gute Stimmung.

Die Motto-Party.

Ich habe eine Vorliebe für etwas und kenne mich da gut aus? Ich weiß, dass andere diese Vorliebe teilen und sich unter Gleichgesinnten wohl fühlen. Na dann rufe ich ein Moto aus und versammele all die, die meine Interessen teilen. Auf einem Blog. Auf einer Facebook-Seite. In einem Forum. Oder auch mal ganz real auf einem Event. Einer echten Party also.

Die Tupper-Party.

Nun will ich als Unternehmen in der Regel ja auch was verkaufen. Das machen die meisten seit Jahren über TV, Direct Marketing und POS. Neu bei der Social Party ist jetzt, dass wie im besten Strukturvertrieb ganz viele Menschen empfehlen können – und damit verkaufen. Also muss ich diese Menschen auf meiner virtuellen Tupper-Party von meinen Produkten überzeugen und ihnen Möglichkeiten geben, diese Produkte bei Gefallen schnell weiterzuempfehlen. Und wie auf einer Tupper-Party mache ich das in kommunikativer Atmosphäre und erzähle auch mal was von meiner Familie. Das macht vertraut und schafft Nähe.

Die Vertriebler-Party

Als Party-Gastgeber will ich natürlich selbst im Licht stehen und die Hände geschüttelt bekommen. Aber in der Regel wird die beste Party nichts, wenn ich meine Partner nicht mit einbeziehe und am besten dafür sorge, dass ein Teil meiner Gäste auch mal zu einer Party dort vorbeischaut. In der digitalen Welt bedeutet dies, seine Händler, Franchiser und Geschäftspartner an der Kommunikation zu beteiligen. Sie profitieren zu lassen. Das ist ein Geben und Nehmen. Und so erzählt man dann auf der eigenen Party von einer anderen – und andersherum.

Die Weihnachtsparty.

Weihnachten. Die beste Zeit für Kampagnen. Nun habe ich ja gelesen, dass Social Media eigentlich nichts für Kampagnen sein. Waaaas? Warten die Leute nicht auf einfach mal ne saucoole Party? Egal, ob es dafür einen echten Grund gibt? Die pure Unterhaltung. Abwechslung im Alltag?  Zu Weihnachten? Zu Halloween? Oder auch sonst mal zwischendurch? Natürlich tun sie das. Und wenn sie wissen, dass ich coole Parties mache, dann werden sie wohl auch kommen. Sie werden es sogar herumerzählen, bis der Laden voll ist.

Die Flashmob-Party.

Leider ist ja immer so im Leben, dass nicht jede Party gut ist. Manche arten aus und führen am Ende zu wüsten Schlägereien. Oder machen einfach nur Krach. So ist das auch im Internet. Da kommen einfach Leute, suchen sich eine Location und legen los. Frustabbau, berechtige Kritik – alles mischt sich.

Was macht nun der erfahrene Partyveranstalter? Er überlegt, ob es seine Party ist. Ob er damit etwas zu tun hat. Ob er schlichten kann. Oder ob er sich einfach raushält und vielleicht im Hintergrund dafür sorgt, dass die Party aufhört.

Praktisch: Wenn sich Menschen über erschossene Hunde in der Ukraine bei den Sponsoren der EM beschweren, dann sollten diese Sponsoren überlegen, ob das ihre Party ist. Also ob sie da überhaupt mitreden sollen. Gilt auch, wenn da einer auf die eigene Party kommt und sich aufführt wie die Axt im Walde. Wenn sich keiner mit ihm unterhält, dann geht er wieder. Oder die anderen weisen ihn zurecht. Es muss eben nur genug Gäste geben, die die Party gut finden oder den Störenfried nicht gerne sehen.

Bleibt die entscheidende Frage: Woher kommen die Gäste für all diese Parties. Richtig! Durch kontinuierliches Networking. Durch Adresslisten. Dadurch, dass die Gäste von mir das bekommen, was sie sich vorstellen. Egal auf welcher Party.

Und genau da sind wir bei Social CRM. Dem Thema, dass die beiden Autoren ja so betont haben. Ja, das ist die Basis für die meisten Unternehmen. Kundenbindung funktioniert heute nicht nur one-way, sondern auch wechselseitig. Zuhören. Mitreden. Für Kritik offen sein. Fragen beantworten. Wenn ich all das mache, dann erzählen sich die Leute über meine Parties und empfehlen diese weiter.

Also, einigen wir uns doch darauf: Parties wird es immer geben. Und Menschen gehen gerne auf Parties. Nur suchen sie sich diese bei dem großen Party-Angebot genau aus. Also gilt es zu wissen, was die Leute wollen und einfach ein guter Gastgeber zu sein. Und meine bekannten Gäste auch direkt zu Parties einzuladen.

Und wenn ich keine Parties veranstalten möchte, aber selbst ein gerne gesehener Gast bin? Um so besser. Dann lasse ich mich einladen und gehe auf Parties, zu denen ich eingeladen werde oder die öffentlich sind.

Party on!

 

Zusatz: Es gibt bestimmt noch mehr Parties im Web. Wenn Euch welche einfallen, dann doch einfach mal in die Kommentare schreiben. Vielen Dank.

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zur Agentur-Website der Online PR Agentur henne.digital

 

{ 5 comments… add one }
  • Kai Thrun 1. Dezember 2011, 09:28

    Ich finde, man sollte jedoch jemanden in seinen Reihen haben, der als Eventmanager all diese Partys feiern und veranstalten kann. Da wird die Luft leider dünner, der Rest ist Winterloch-Journalismus.
    Die Innovater, die 2007/2008 angefangen haben traditionell und experimentell an das Thema heran zu gehen, sind langsam am Ende eingekommen. Mit Ende meine ich, Social Media integriert zu haben. Der Rest versucht krampfhaft irgendwie die Abkürzung zu nehmen und macht – dass was die Masse für richtig hält. Wo wenig kaputt gehen kann, was sich etabliert hat. Die Early Majority wenn man so will.

    Wir verlieren aus den Augen, dass die Unternehmen von 2007, bereits schon an weiteren Dingen „tüfteln“. Ja vielleicht neue Arten von Partys feiern möchten.

    Weg von den Metaphern sehe ich nur eine Schere, die immer weiter auseinander driftet. Mit dem paradoxen Gedanken alles in einen Topf werfen zu können.

    Wie auch immer, 2cents *klong*
    – Kai Thrun

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